Laudato Si und benediktinscher Lebensstil

Laudato Si“ und benediktinischer Lebensstil – eine Einladung an Oblaten und Mitglieder der Konvente zur Mitarbeit in der benediktinischen AG „Laudato Si“

In den beiden Lehrschreiben „Evangelii gaudium“ (November 2013) und „Laudato Si“ (Pfingsten 2015) entwickelt Papst Franziskus die geistigen Grundlagen für eine Neubestimmung der Kirche im Aufbruch, deren Aufgabe es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen und die soziale Dimension der Evangelisierung umzusetzen, da die Liebe Jesu Christi nicht nur das Prinzip in Mikrobeziehungen sein kann, sondern auch Makrobeziehungen betrifft.
Aus dem Befund der Krise des gemeinschaftlichen Engagements und einer Globalisierung der Gleichgültigkeit ergibt sich die Forderung an die Christen, sich kritisch auseinanderzusetzen, nein zu sagen zu einer Wirtschaft der Ausschließung („Diese Wirtschaft tötet“, EG § 53) und Ja zu sagen zu den Herausforderungen einer missionarischen Spiritualität.
Ein authentischer Glaube – der niemals bequem und individualistisch ist – schließt immer den tiefen Wunsch ein die Welt zu verändern, Werte zu übermitteln, nach unserem Erdenleben etwas Besseres zu hinterlassen (EG § 183). Jede beliebige Gemeinschaft in der Kirche, die beansprucht, in ihrer Ruhe zu verharren läuft Gefahr in einer „spirituellen Weltlichkeit“ unterzugehen (EG § 207).
Die Wirtschaft muss strukturell verändert werden im Sinne der altgriechischen „oikonomia“, der Sorge für das „gemeinsame Haus“ und „dieses Haus ist die Welt“ (EG § 206). Die Christen sind berufen, sich um die Schwächsten der Erde zu kümmern und zwar bezogen auf die Gesamtheit der Schöpfung: „Wir sind als Menschen nicht nur Nutznießer, sondern Hüter der anderen Geschöpfe.“ (EG § 215)
Unter der Überschrift „Nichts von dieser Welt ist für uns gleichgültig“ – denn wir sind Teil der Erde – sendet Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si“ den dringenden Appell an die gesamte Menschheitsfamilie, den Schutz des Hauses, das wir miteinander teilen, zu gewährleisten, sich zusammenzuschließen zu einer universalen Solidarität, um den durch den menschlichen Missbrauch angerichteten Schaden an der Schöpfung Gottes wiedergutzumachen.
Aus der christlichen Spiritualität ergibt sich die „ökologische Umkehr“, denn was das Evangelium uns lehrt, hat Konsequenzen für unsere Art zu denken, zu empfinden und zu leben, aber weniger aufgrund von „Ideen“ als aufgrund einer „Mystik“, d.h. des Bewusstseins, nicht von den anderen Geschöpfen getrennt zu sein, sondern mit den anderen Wesen des Universums eine wertvolle, allumfassende Gemeinschaft zu bilden: „Der Glaubende betrachtet die Welt nicht von außen, sondern von innen her und erkennt die Bande, durch die der himmlische Vater uns mit allen Wesen verbunden hat.“ (LS § 220)
Zentrales Vorbild der sublimen Geschwisterlichkeit mit der gesamten Schöpfung ist der Hl. Franziskus, dessen Lobpreis der Schöpfung titelgebend für die päpstliche Enzyklika war.
Als Vorbild aus der monastischen Tradition nennt Papst Franziskus den Hl. Benedikt von Nursia, dessen Regel nicht als Modell der Weltflucht angelegt ist – sondern als Lebensentwurf einer Gemeinschaft, der sich durch die Verbindung von Gebet und Arbeit als revolutionär erwies: „Diese Art und Weise, die Arbeit zu leben, macht uns behutsamer und respektvoller gegenüber der Umwelt und erfüllt unsere Beziehung zur Welt mit einer gesunden Nüchternheit.“ (LS § 126)
Der vierte internationale Weltkongress der Benediktineroblaten in Rom (November 2017) hat die Ermahnungen und Anregungen durch Papst Franziskus aufgegriffen und in intensiven Beratungen in Arbeitsgruppen und Vorträgen gefragt, was unser Auftrag als Oblaten „in einer gebrochenen Welt“ sein kann und muss. Die weltweite Gemeinschaft der Benediktineroblaten, die wir in sehr unterschiedlichen Lebenszusammenhängen leben, konnte sich beim Weltkongress als Einheit erfahren. Auf der Basis der Regel des Hl. Benedikt und unter Führung des Evangeliums sind wir aufgerufen, die Weiterentwicklung benediktinischer Werte als unsere soziale Verantwortung zu betrachten, nicht als eine Entschuldigung, uns von der Gesellschaft im Namen falscher und fruchtloser Frömmigkeit zurückzuziehen (Joan Chittister).
Zu den Zukunftsperspektiven der Oblatengemeinschaft gehört es, die Regel des Hl. Benedikt, die schon zur Zeit ihrer Niederschrift ein „Update“ war (Michaela Puzicha) als unsere lebendige Tradition zu leben: die Offenheit für Wandlungen aller Art ist das Kennzeichen einer Persönlichkeit, die souverän und angstfrei, mit Bedacht, flexibel und differenziert handelt.
Gehorsam im Sinne von „Hören-Können“ auf das Wort Gottes in Gebet und Kontemplation ist kein bloßer Funktionsgehorsam, sondern die Haltung des sich in der Gemeinschaft Zur-Verfügung-Stellens. „Aufstehen vom Schlaf“ (RB Prolog 8) bedeutet sich zu lösen vom Verfallensein an die vergehende Welt, von falschen Sicherheiten, von Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und Langeweile.
Die Aus- und Weiterbildung der Oblaten ist, ebenso wie die Vernetzung von Oblaten untereinander und der Oblaten mit Mitgliedern der Konvente ein wichtiger Aspekt, um die Zukunft zu sichern. Angesichts der weltweit schrumpfenden Konvente kommt den Oblaten als den „besten Freunden der Klöster“ (Abtprimas Gregory Polan) eine große Bedeutung und Aufgabe für die Zukunft zu.
Mit einer deutschen benediktinischen „Laudato Si“- Arbeitsgruppe, in der Mitglieder der Konvente und Oblaten zusammenarbeiten, wollen wir dieses Engagement anstoßen und fördern und gemeinsam Leitbilder für ökologische Umkehr entwickeln, die für das Leben im Kloster und außerhalb zum Tragen kommen. Die Klöster geben dieses Vorbild an die Gäste, die sie besuchen, weiter.
Wir wollen unsere Kompetenzen erweitern und Erfahrungen sammeln, die uns und den Klöstern zur Verfügung gestellt werden können. Wir wollen erkunden, welche Hindernisse uns bei der Umsetzung ökologischer Projekte begegnen, wie sie überwunden werden können und welche „best practices“1 es schon gibt, von denen man lernen kann. Da der Gedanke an die Schwächsten und die Verlierer einer ganz auf Effektivität und Verwertung ausgerichteten Gesellschafts-und Wirtschaftsordnung allzu häufig verdrängt wird, da die Auswirkungen unseres Handelns oft gar nicht bekannt sind, weil die Logik der imperialen Lebensweise darauf beruht, die negativen Auswirkungen zu „externalisieren“ (Stefan Lessenich: „Neben uns die Sintflut“), wollen wir dafür sensibilisieren, Impulse geben und ein kritisches Bewusstsein schaffen. Im Konsens mit der Arbeitsgemeinschaft der Benediktineroblaten (ARGE) haben wir in zwei Schreiben (im Juli und Oktober 2018) an die ARGE-Klöster die Ordensoberen über unsere Initiative informiert und erfreulich positive Rückmeldungen erhalten.
Nun ergeht die Einladung direkt an die Oblatinnen und Oblaten, bei Interesse an einer Mitarbeit sich an uns zu wenden.
Kontaktadresse:
Martin Grüger, email: martin@grueger.net oder
Dr. Ulrike Bayer, email: u.bayer@t-online.de