„Der Weg meiner Berufung“ – Barbara Schorn / Köln Raderberg

Ich habe 2005 mein Versprechen, als Oblatin des Klosters der Benediktinerinnen in Köln zu leben, abgelegt. Ich wusste damals nur „theoretisch“, dass es im Leben einer Oblatin um Hingabe geht, oder was es heißt, bewusst in der Nachfolge des Herrn zu leben, der gesagt hat: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Lk 9,23). Das Kreuz des Herrn auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen war, ist und bleibt meine Berufung als Oblatin.

Zunächst zeigte sich der Weg meiner Berufung in der ganz regelmäßigen Einhaltung von Gebetszeiten und dem möglichst täglichen Besuch der hl. Messe sowie in der Eucharistischen Anbetung, woraus ich immer wieder Kraft für meinen Weg schöpfen durfte. Ab 2012 kam es dann aufgrund von mehreren Hüft- und Fuß-Operationen zu einem drastischen Einschnitt in mein Leben als Oblatin. Es ging mehr und mehr für mich darum, Jesus jetzt wirklich auf seinem Kreuzweg zu folgen. Dies bedeutete für mich insbesondere, Schmerzen und Gebrechlichkeit zuzulassen. Es war mir nicht mehr möglich, jeden Tag an einer hl. Messe teilzunehmen oder regelmäßig den Weg in eine Kirche zur Anbetung zu schaffen. Umso wichtiger war es für mich, auf geistige Weise mit Jesus verbunden zu sein und mich in meinen Leiden dem Willen Gottes zu überlassen.

Wegen einer seit der Geburt bestehenden Bewegungsstörung erfolgte 2018 der Einsatz eines Schrittmachers, der mir nach zweijähriger Benutzung von Gehstöcken und Rollator wieder ein Leben ohne Gehhilfen ermöglichte. So habe ich mein Leben einerseits als einen Weg von Schmerzen und Leid erlebt; auf der anderen Seite habe ich aber auch immer wieder Zeiten der Heilung erfahren dürfen und dass mich mein Glaube – besonders aber auch das Gebet und die Gemeinschaft des Klosters und der Mitoblaten – trägt.

Das Entscheidende ist für mich nicht nur der Weg, sondern vor allem das Ziel – wie Benedikt im Prolog seiner Regel schreibt – unter der Führung des Evangeliums den Weg des Herrn gehen, „damit wir ihn schauen dürfen, der uns in sein Reich gerufen hat“ (RB Prol 21).

Barbara Schorn, Oblatin in Köln Raderberg